Layout
Gratis bloggen bei
myblog.de

into.nothing


Filmrezension

Populärmusik aus Vittula

Praktisch jede Rezension zu diesem Film ist positiv. Das kann ich auch nachvollziehen, allerdings nur zu 85%. Die letzten fehlenden 15%, die den Film zu einem absolut guten Film machen würden, beziehen sich auf die fehlenden bzw. umgeänderten Details des Buches. Denn „Populärmusik aus Vittula“ ist eine Buchverfilmung. Zwar eine der besten, die ich kenne, aber ein paar Sachen stören mich da trotzdem. Was Buchverfilmungen angeht bin ich im Allgemeinen sehr kritisch. Doch zuerst einmal von Anfang an.

Es geht um einen Jungen namens Matti, der im hohen Norden von Schweden aufwächst, in Pajala. Das liegt an der Grenze zu Finnland, weshalb viele der Bewohner besser Finnisch als Schwedisch sprechen und sich gar nicht richtig zugehörig zu Schweden fühlen. Es sind die 60er Jahre und der Fortschritt kommt nur langsam an in Pajala, die ersten Straßen werden gepflastert und schließlich entdeckt man sogar den Rock’n’Roll. Matti und dessen Freund Niila gehören zu einer neuen Generation, die sich nicht in die alten Konventionen pressen lassen will. So gleicht ihre Jugend einer Achterbahnfahrt voller lustiger, schöner, tragischer und verrückter Abenteuer. Sie werden auch von der Musikwelle fortgerissen, gründen eine Band und müssen sich insgesamt mit einer Menge Probleme rumschlagen. Mädchen, Alkohol, Niilas seltsame Familie, Ferienjobs – all das und noch mehr beeinflusst das Leben der beiden Jungen.

Das Buch von Mikael Niemi ist in gewisser Weise eine Aneinanderreihung von Kurzgeschichten, die insgesamt die Jugend Mattis in Pajalas Viertel „Vittulajänkki“ (= „Fotzenmoor“) erzählen. Das macht es natürlich schwer, diesen Stoff in einen Film zu transformieren. Dem Regisseur Reza Bagher ist das im allgemeinen aber sehr gut gelungen, da vieles übernommen wurde und auch die Charaktere überzeugend und dem Buch entsprechend rüberkommen (wobei ich mir Niilas Vater äußerlich weniger als Schläger vorgestellt habe, sondern eher als dünnen Mann mit längeren Haaren, Brille und Spitzbart – warum weiß ich nicht, aber Jarmo Mäkinen passt in diese Rolle eigentlich trotzdem gut rein). Insgesamt sind die Schauspieler sehr gut ausgewählt, die beiden Hauptdarsteller könnten gar nicht besser passen.

So weit, so gut. Jetzt komme ich aber zu meinen negativen Kritikpunkten.

Bagher erklärt in einem Interview, dass er in dem Film vor allem die tragische Seite des Romans zum Ausdruck bringen wollte. Das ist auch gut, schließlich ist das Buch keinesfalls nur lustig. Trotzdem ist es ein wenig schade, denn das Buch ist eben auch wegen den lustigen Szenen ein Bestseller geworden. Und wegen dieser Entscheidung fiel wahrscheinlich auch mein Lieblingskapitel fast ganz raus. Denn im Buch wird erzählt, wie sich nach dem Tod von Niilas Großmutter die gesamte Großfamilie versammelt und versucht, das Erbe zu regeln. Dieser Teil ist einfach so witzig und auch sarkastisch geschrieben, dass ich mehrmals Lachanfälle bekam, als ich es las. Im Film kommt dieser Erbstreit leider nicht vor. Natürlich kann nicht jedes Buchelement übernommen werden, das ist mir klar, aber diese Szene habe ich auf jeden Fall vermisst.

Was mir außerdem negativ aufgefallen ist, war zeitweise die Darstellung von Niila. Denn da wurde die Handlung gegenüber dem Buch verfälscht. Im Roman sowie im Film ist Matti der Erzähler der Geschichte. Im Buch ist er klar die Hauptperson, auch wenn Niila einen wichtigen Teil einnimmt. Aber im Film werden beide praktisch auf eine Stufe gestellt. Niila spielt im Buch zwar auch die Gitarre in der Band, allerdings ist er eigentlich nicht sehr begabt und Matti ist besser als er, was er ihm aber nicht zeigt. Holgeri, der andere Gitarrist der Band, ist dagegen der große Star, der in Jimi Hendrix Manier spielt. Im Film ist es dagegen so, dass Niila plötzlich der große Gitarrenheld ist. Außerdem wird im Film ein Streit zwischen Matti und Niila dazuerfunden und Matti trifft sich lieber mit einem Mädchen als bei einem entscheidenden Auftritt dabei zu sein. Was im Film Niila natürlich aufregt und ihn dazu bringt abzuhauen. Das ist so vollkommen anders als im Buch, dass es mich schon aufgeregt hat, wenn ich ehrlich bin. Deshalb finde ich den Film eben nicht zu 100% gelungen. Weil so bekommt die Geschichte eben doch eine andere Richtung als eigentlich im Buch.

Trailer:

28.7.08 11:41
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen